Folgender Textausschnitt entspricht einer Rohfassung eines - kleinen - Teiles meiner Fachbereichsarbeit (diese wird auch auf diesem Blog zum Download bereitstehen) zum Thema Entfremdung. Er handelt von der Entfremdung in unseren Tagen:

Das Phänomen der Entfremdung von der Arbeit ist im Zeitalter der computergesteuerten Produktion aufs neue erwiesen und verstärkt worden. Die Arbeitenden sind somit sowohl nicht mehr im materiellen Sinne im Besitz ihrer Arbeit, sondern auch im realen Sinne von ihrer Arbeit entfremdet. Der/die FließbandarbeiterIn in einer Brotfirma bezeichnet sich zwar noch selbst als BäckerIn, berührt aber im ganzen Produktionsprozess kein einziges Mal eine Zutat und weiß eigentlich auch nicht genau darüber Bescheid, wie genau Brot hergestellt wird. Der ganze Ablauf ist ihnen noch fremder geworden. Die Entfremdungsdefinition von Marx hat im heutigen Kapitalismus eine weitere Bestätigung erfahren.

Schwieriger gestaltet sich allerdings die Frage um die Aufhebbarkeit des Entfremdungszustandes, die in theoriegeschichtlichen Diskussionen oftmals auf dessen Existenz im Realsozialismus reduziert wird. Ohne auf Möglichkeit restkapitalistischer Abläufe in der Sowjetunion einzugehen, ist der Nährboden für solche Diskussionen vor allem Definitionsprobleme. Zum Beispiel widerspricht die von Sartre aufgestellte These der permanenten Entfremdung der marxistischen Theorie eigentlich nicht direkt, denn Sartre benutzte in seiner Definition die Auswirkungen der Kausalketten, die durch eine menschliche Handlung im Arbeitsprozess hervorgerufen wird, als Hinweis dafür, dass alles vom Menschen verursachte in irgendeiner Form zurückschlägt und daher anderen menschlichen Interessen zuwiderläuft. Er meint damit eher die Hilflosigkeit der Menschheit im Sinne der Unfähigkeit zum nachhaltigen Denken. Durch die Benutzung des selben Begriffes wie Marx entsteht allerdings der Eindruck eines Widerspruchs.

Da jedoch die Existenz der Entfremdung auch von philosophischen Richtung, die das Gegenteil von marxistisch-sozialistischen Denkrichtungen darstellen, oftmals nicht geleugnet wird (diese wird dann unter anderem auch als religiöse Ursache, sprich Abkehr von einem göttlichen Ideal, verstanden) besteht das Problem der Entfremdungsdebatte eher darin, dass es sich dabei um einen Diskussionsgegenstand handelt, welcher erstens schwer greifbar ist und zweitens auch meist nur von jenen diskutiert werden kann, welche nicht nur die negativen Auswirkungen der Problematik in unserem System zu spüren bekommen.

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Zum weiterschmökern:

  1. Essaywettbewerb “Philolympics 09″ Mein Beitrag

Comments

One Response to “Zur Entfremdungsdiskussion”

  1. bagel on April 9th, 2010 21:18

    salut!
    nettes vorhaben, wie weit bist du denn damit? hast du evtl. eine literaturliste, die du veröffentlichen möchtest?
    ein kleiner tip:
    wenn du die marxsche entfremdung aufgreifst, dann setze dich mal mit seinem menschenbild auseinander, da m.e. die komponente gattungswesen in neuerer philosophischer diskussion obsolet geworden ist. dass dieser umstand die entfremdung der arbeit nicht weiter tangiert, steht für viele weiterhin fest. ich finde es nur problematisch, wenn man unterschiedliche “menschenbilder” oder subjekt-definitionen in der konkreten philosophischen ausarbeitung von marx vermengt. die weiterführung der marxschen entfremdung im heutigen kapitalismus läßt unter umständen noch weitere pathologische verhalten sichtbar werden, wenn man den gattungscharakter von marx herauskürzt und vor allem entfremdung nicht in einem verhältnis von “richtig” und “falsch” beurteilt, so wie es der entfremdungsdefinition von marx anhefetet. die verluste in der tätigkeit des menschen (produkt/tätigkeit) können dann als “normale” antwort auf eine “pathologische” struktur in der gesellschaft gelesen werden. die entfremdung der arbeit stellt sich dann als vorzug der quantität vor der qualität dar, welcher sich durch die kapitalistischen produktionsverhältnisse von selbst ergibt. Das aufdecken dieser struktur und die diskussion in den reihen derer, die sich das philosophieren “leisten” können, wird damit selbstverständlich gestützt, stellt sich jedoch ebenfalls als der produktionsverhältnisse immanent dar.
    dass es marx um den menschen und vor allem um das “gute” leben geht, kann eben auch ohne humanistischer verhaftung zu tage treten. ebenso wie die kritik am gesellschaftssystem und den arbeitsbedingungen ohne wiedersprüchlickeiten in der diskussion aufgezeigt werden können.
    weiterhin frohes schaffen… ;-)

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