Die Frage die zugleich die Überschrift stellt, wurde mir in meiner mittlerweile fast einjährigen Bloggerlaufbahn schon mehrmals in diversen Modifikationen gestellt. Daher habe ich auch eine Blogparade gestartet, an der gerne auch andere Bloggende teilnehmen dürfen. Hier meine Antwort, so kann ich die fragenden Web2.0-Laien, Befreundete und Familienmitglieder, welche nicht ganz verstehen, warum ich meine Meinung kontenuierlich in das schwarze Loch Internet schreibe, gleich auf diesen Eintrag verweisen.

In erster Linie werde ich meist nach meinem persönlichen Anreiz für das Bloggen gefragt - meist mit dem Nachsatz, dass einem das außer Arbeit nichts bringen würde. Grundsätzlich ist eine Antwort schnell gegeben. Für viele ist Bloggen nach wie vor ein Hobby, so wie Modelleisenbahnen zum Beispiel. Dies “bringt” einem im materiellen Sinne auch nichts, doch die Betreibenden können sich verwirklichen, machen es zum Vergnügen (abgesehen davon, dass Modelleisenbahnen einiges mehr Geld kosten - Blogs können auch ohne Geldaufwand betrieben werden). Diese Antwort klingt zwar pragmatisch, trotzdem habe ich damit die beste Möglichkeit gefunden, um nicht so Internetaffinen Personen eine halbwegs verständliche Antwort zu liefern. Ich lasser an dieser Stelle absichtlich die Blogs aus, welche von Menschen oder Firmen betrieben werden, um entweder direkt Ertrag zu genieren oder durch Begleiterscheinungen wie öffentliche Reputation wirtschaftlichen Ertrag zu genieren - bei denen ist es ein Job wie jeder andere.

Natürlich gibt es auch idealistischere Gründe für das Bloggen, die ich zunächst absichtlich außer Acht gelassen habe, hier jedoch anführen werde. Blogs sind vielleicht die Urform des mysteriösen Web 2.0, dass eigentlich nur folgendes bedeutet: Früher konnten sich nur Personen mit dem entsprechenden technischen Know-How oder Firmen die solche bezahlen konnten, Inhalte im Internet für die Öffentlichkeit zur Verfügung stellen. Mit Web 2.0 werden all jene Techniken bezeichnet, die eine einfachen Zugang zu Publizierungsmöglichkeiten im Netz zur Verfügung stellen. Durch Blogs, Wikis (Internelexikas zum Selbsterstellen und Bearbeiten) und diversen sozialen Netzwerken sei - wie Web2.0-EnthusiastInnen behaupten - ein Demokratiesierungsfeldzug im Internet angetreten worden. Nach dieser optimistischen Ansicht ist es somit neben normalen Firmen auch den BürgerInnen möglich, Inhalte und Meinungen im Internet zu verbreiten und sozusagen die Stimme des kleinen Mannes und der kleinen Frau im Internet zu verbreiten. Zumindest der Effekt des “Digital Divide” (auch der Internetzugang für den einzelnen Menschen erfordert Netzabdeckung (zum Beispiel ein Problem in vielen Staaten Afrikas) und Geld für das Bezahlen eines Anbieters) zeigt auf, dass die Realität auch in der digitalen Welt eine Rolle spielt und auch gewisse Probleme dort weiter existieren.

Jene die Zugang zu Internet besitzen haben allerdings die Möglichkeit einerseits zu möglichst verschiedenen subjektiven Meinungen zu kommen, deren UrheberInnen und Motivationen meistens auch ausforschbar sind - da sie angegeben werden. Anders wie in herkömmlichen Massenmedien, in der zwar zum Beispiel eine Redaktion oder einzelne RedakteurInnen zur Verantwortung gezogen werden können, allerdings zum Beispiel ihre waren Arbeitsgebenden (zum Beispiel die Bank die eine Holding besitzt, der dann die Zeitung im rechtlichen Sinne gehört) eher im Dunklen agieren.

Weiters werden andere Texte zum Thema (meistens) im eigenen Blogeintrag verlinkt, so dass die Lesenden sich durch die verschiedensten subjektiven Meinungen eine möglichst objektive Meinung bilden können.

Durch den Internetwahlkampf von Obama, sind auch in Europa die professionelle Politik sowie die herkömmlichen Massenmedien auf die Möglichkeiten des Web 2.0’s gestoßen. Blogs bieten sich auch hier für Parteien und PolitikerInnen an, schnell Meinungen ins Netz und so an die Öffentlichkeit zu bringen (so wie das Peter Pilz - bei aller politischer Distanz -  macht, der schon während den Sitzungen bloggt und so eine Meinungsführerschaft erlangt, da er Informationen vor den offiziellen Presseaussendung bereitstellt). Ausserdem kann über die Alltagsarbeit des/der PolitikerIn berichtet werden, was die Transparenz erhöht - dies steckt in Österreich allerding noch eher in den Kinderschuhen. Da die Inhalte von jedem/jeder mit Internetzugang die Beiträge der Blogs kommentieren oder im eigenen Blog seine Meinung dazu kundtun kann, entsteht ein etwas dichteres Informationsnetz als das einseitiger Pressemeldungen aus den Parteizentralen. Wie öfters schon erwähnt jetzt gilt also folgendes: Objektivität durch Pluralität. Der “Nachteil” ist jedoch das beschränkte Publikum (jung, eher technikaffin und oftmals (noch) männlich).

Dem persönliche Nutzen für die Bloggenden ist von Seiten der Internetlaien (dies soll keinesfalls diskrimminierend klingen, sondern im Sinn von nicht-wissend aber interessiert), wie eingangs schon erwähnt, das größte Interesse gegönnt. Außer einer einem blossen Hobby, stellt ein Blog wie erwähnt auch die Möglichkeit zur Meinungsbildung und für einen höheren persönlichen Bekanntheitsgrad dar. Karrierechancen entstehen dadurch selten und wenn dann auch nur in Nischenbereichen. Am wahrscheinlichsten sind noch Aufträge für Wissensvermittlung im Spezialisierungsbereich.

Durch Werbung am eigenen Blog Geld zu verdienen setzt vor allem hohe Besuchszahlen vorraus und stellt für die wenigsten BloggerInnen eine Einnahmequelle dar - vor allem wenn nicht in Englisch und über Technisches geschrieben wird.

Mein persönlicher Anreiz fürs Bloggen ist eben die Lust am Schreiben, die ich vor allem mit meinem Interesse für Politik, Philosophie und Geschichte verbinde (und ab und zu täusche ich auch vor, als würde ich mich mit ökonomischen Problematiken auskennen).

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Zum weiterschmökern:

  1. Blogparadenergebnis: Wem oder was nützen Blogs?
  2. Blogparade: “Wem oder was nützen Blogs?”

Comments

5 Responses to “Wem oder was nützen Blogs?”

  1. redblog on Januar 25th, 2009 20:51

    gut getäuscht ist halb gewonnen ;)

  2. aaron on Januar 26th, 2009 10:16

    also, das verstehe ich jetzt nicht ganz, lieber redblogger;-)

  3. aaron on Januar 26th, 2009 10:39

    ah, jetzt ^^ (bin grad aufgestanden, vernetzt denken kann ich erst ab mittag)

  4. Blogparadenergebnis: Wem oder was nützen Blogs? | b-blog on Februar 3rd, 2009 17:23

    [...] Mein eigener Beitrag findet sich hier. [...]

  5. berlin on Februar 28th, 2009 09:09

    Gut!

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